Double Vision – doppelt gemoppelt?

Gestern nutzte ich die Schlafzeit meines Babys um zu kucken, was es in der nächsten Zeit für spannende Ausstellungen in der Gegend gibt. Gerade noch rechtzeitig! Denn beinahe hätte ich die Double Vision Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe verpasst. Ich hatte schon vor längerer Zeit geplant dort hinzugehen, aber es dann doch wieder vergessen. Kennt ihr auch, oder?

Um es kurz zu machen: Die Ausstellung ist toll!

William Kentridge,
Untitled (Rhino II), 2007
© William Kentridge

William Kentridge, ein südafrikanischer Gegenwartskünstler und Albrecht Dürer haben sich mit ähnlichen Fragestellungen, Motiven und Medien (Druck! Bücher!) beschäftigt. Die Ausstellung stellt diese gegenüber und lässt den Besucher vergleichen. Jeder Ausstellungsraum beschäftigt sich mit einer spezifischen Gegenüberstellung, z.B. der Beschäftigung mit dem Nashorn (das als Werbeaufhänger dient) oder der Beschäftigung mit Perspektive (die wohl die größte Gemeinsamkeit scheint).

Albrecht Dürer
Das Rhinozeros, 1515
© bpk / Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Eine (auch räumliche) Gegenüberstellung erfolgte z.B. mit Kentridges „Remembering the treason trial“ und Dürers „Ehrenpforte“. rund 500 Jahre liegen zwischen diesen beiden großformatigen Drucken, die gegen das Vergessen gedacht sind.

 

William Kentridge,
Remembering the Treason Trial, 2013
© William Kentridge

 

Albrecht Dürer,
Die Ehrenpforte Kaiser Maximilians I.
© bpk/Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin

Die Art und Weise, wie die Werke in einen Kontext gestellt wurden war mir nicht immer zugänglich, aber zum Beispiel ein Studienraum Archiv-Forscherlabor-Charakter in dem theoretische Werke zur Perspektive von Dürer und praktische Umsetzungen von Kentridge hat mich auch atmosphärisch eintauchen lassen. Vielleicht fand ich auch deshalb die hier präsentierte Anamorphose „Medusa“ besonders faszinierend.

Kentridge ist auch für seine Animationsfilme bekannt, viele davon sind auch auf Youtube zu finden. Wobei ich allerdings vermute, dass es sich dabei eher um unrechtmäßige Aufnahmen handelt.  Den in der Kunsthalle gezeigten Filmen wie „Felix in Exile“ und oft in Büchern nach Art von Daumenkinos aufbereiteten Filmen kann man sich nicht entziehen. Sie hypnotisieren und bestechen durch ihre farbliche Reduziertheit.

William Kentridge
Blatt aus: Ubu Tells the Truth, 1996/97
© William Kentridge

Ich bin sehr froh, es gestern noch rechtzeitig in die Ausstellung geschafft zu haben, bevor sie am kommenden Sonntag endet! (Der große von den Zwergen wartet gerade auf die Sternsinger, aber ich glaube sobald die hier waren schlepp ich ihn in die Kunsthalle. Ich denke gerade solche Spielereien wie die Medusa dürften ihm gefallen. Für das Programm der Jungen Kunsthalle ist er leider noch zu jung. Darauf freue ich mich übrigens schon, ich habe meine Zulassungsarbeit für das erste Staatsexamen über Annäherungen an Kunst mit Kindern in Museen geschrieben und weiß daher, was für eine herausragend gute Arbeit die Kunsthalle hier leistet!)

Hier geht es zur Kunsthalle: http://www.kunsthalle-karlsruhe.de/de/ausstellungen/double-vision.html

Der Wikipedia-Eintrag zu Kentridge mit einigen interessanten Verweisen: https://de.wikipedia.org/wiki/William_Kentridge

Der Wikipedia-Eintrag zu Dürer für diejenigen, die heute sonst nichts mehr vor haben: https://de.wikipedia.org/wiki/Albrecht_D%C3%BCrer

Es gibt übrigens noch andere schlaue Leute, die bereits vor mir über die Ausstellung bzw. über Kentridge geschrieben haben: Ursula Usakowska-Wolff schrieb über die Ausstellung während ihrer Präsenz in Berlin: http://www.kunstdunst.com/albrecht-duerer-william-kentridge-ein-blick-genuegt-nicht/ und Sarah Kirk Hanley schrieb sehr Interessantes über Kentridges Drucke: http://blog.art21.org/2010/11/05/ink-thinking-aloud-the-prints-of-william-kentridge/#.WG-OI1PhCUk ArtPrintSA zeigt auf deren Seite einige Werke, die es auch in der Kunsthalle zu sehen gibt und einen schönen Eindruck davon vermitteln, was man verpasst, wenn man es nicht bis Sonntag hin schafft 😉 http://www.artprintsa.com/william-kentridge-print-archive-one.html

Übrigens: nein, der Artikel ist nicht gesponsert. Ich habe zwar keinen Eintritt bezahlt, aber das liegt daran, dass ich einen Museumspass besitze 😀

Viel Spaß!

Martina

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