Ausstellung „Die Kerze“ im Frieder Burda Museum

Los geht's in die Ausstellung
Los geht’s in die Ausstellung

Letzte Woche war ich in der Kerzenausstellung im Frieder Burda Museum in Baden-Baden. Das ist so salopp dahergesagt, aber tatsächlich kam es mir ein bisschen so vor. Aufhänger der Ausstellung ist das Bild „Die Kerze“ von Gerhard Richter, weitere Werke aus dieser Reihe und Richters Verortung dieser Werke in seinem Atlas.

Gerhard Richter, Kerze, 1982, Museum Frieder Burda, Baden-Baden © Gerhard Richter, 2016
Gerhard Richter, Kerze, 1982, Museum Frieder Burda, Baden-Baden © Gerhard Richter, 2016

Die weitere Ausstellung ist dem Motiv der Kerze in der modernen Kunst gewidmet – scheinbar kein leichtes Unterfangen. Viele Werke sind noch in Besitz des Künstlers, möglicherweise extra für die Ausstellung angefertigt. Kaum eines davon hat mein Sammlerherz angesprochen. So muss es auch Burda gegangen sein, denn am Eingang erhielt jeder Besucher einen Fragebogen; Burda wollte gerne erfahren, welches der Werke seinen Besuchern am Besten gefällt. Anscheinend kann er sich nicht entscheiden, was er kaufen möchte. Dieses Vorgehen fand ich übrigens sehr interessant, ich werde bestimmt irgendwann darauf zurück kommen.

Die Ausstellung ist ein Sammelsurium an Kerzenmotiven, teilweise schwere Kost (eine anrührende Fotografie eines Soldaten in Afganistan „Yaftal-e-Sofla, Afghanistan“ von Anja Niedringhaus), teilweise wunderschöne Beschäftigung mit der Ästhetik (z.B. eine Werkreihe ohne Titel von Karin Kneffel – übrigens von der Galerie zur Verfügung gestellt, also vermutlich noch nicht verkauft) und teilweise Spielereien, die den Eindruck hinterließen mitten aus dem künstlerischen Prozess herausgerissen worden zu sein. Als ich die erste Fassung dieses Artikels schrieb dachte ich, es war kein Werk dabei, das mich sprachlos innehalten lies. Doch nachdem ich erneut in den Fotos geblättert habe wurde die Erinnerung wieder wach.

Es gab sie. Diese Werke bei denen man stehenbleibt, betrachtet, versinkt.

Marina Abramović, Artist Portrait with a Candle (A) aus der Serie With Eyes Closed I See Happiness, 2012 © Marina Abramović / VG Bild-Kunst, Bonn 2016; Courtesy Marina Abramović and Sean Kelly Gallery New York
Marina Abramović, Artist Portrait with a Candle (A) aus der Serie With Eyes Closed I See Happiness, 2012 © Marina Abramović / VG Bild-Kunst, Bonn 2016; Courtesy Marina Abramović and Sean Kelly Gallery New York

Oder diese Werke, die schlicht eine meditative Wirkung haben, wie eine Video-Installation Nam June Paiks.

Nam June Paik, One Candle, 1988, MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main © Nam June Paik Estate, Foto: Axel Schneider
Nam June Paik, One Candle, 1988, MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main © Nam June Paik Estate, Foto: Axel Schneider

Und dann gibt es noch die Werke, die einen unerwarteten Bezug zum aktuellsten Weltgeschehen haben. Dieses Gemälde von Eric Fischl kann ich nicht sehen, ohne an die Präsidenschaftswahlen in den USA und Donald Trump zu denken. Ich bin schnell weitergegangen. Das wollte ich nicht sehen.

Eric Fischl, Dining Room, Scene 1, 2003 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Eric Fischl, Dining Room, Scene 1, 2003 © VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Wenn eine Ausstellung ein Motiv als zentralen Ausgangspunkt wählt und vielfältige Aspekte beleuchten will, dann möchte man als Besucher danach das Gefühl haben, auch neue Aspekte gesehen zu haben, seinen Horizont erweitert zu haben, seinem inneren Atlas etwas hinzugefügt zu haben. Dieses Gefühl habe ich hier nicht. Hier wurde nur an der Oberfläche gekratzt. Wenn nun aber ein Museum wie dieses Schwierigkeiten hat, zu diesem Thema eine beeindruckende Ausstellung zusammenzutragen, ist dies dann nicht den Künstlern geschuldet, die hier noch nicht in die Tiefe gegangen sind?

Ich denke, ich war nicht alleine mit meinem Eindruck. An der Garderobe konnte ich hören, wie zwei etwas ältere Damen einige Postkarten mit dem zentralen Motiv kauften – um sie als Kondolenzkarten zu verwenden. Auch der Altenverein meines Heimatdorfes hatte einen Ausflug in die Ausstellung gemacht – die meisten Teilnehmer waren wohl enttäuscht und etwas ratlos.

Am 08.12. findet gegen Abend eine Kuratorenführung statt. Vielleicht nutze ich die Gelegenheit und lasse mich davon überzeugen, dass ich nicht genug hingeschaut habe um die Zusammenhänge zu verstehen.

Empfehle ich diese Ausstellung nun oder nicht? Ich denke wer in der Nähe wohnt sollte sich die Ausstellung ansehen, eine weite Fahrt lohnt sich eher nicht.

Die Ausstellung läut noch bis 29.01.2017 Danach startet am 11.02.2017 eine Ausstellung zu Sigmar Polke mit dem herrlichen Titel „Alchemie und Arabeske“. Darauf freue ich mich jetzt schon!

Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des Museum: https://www.museum-frieder-burda.de

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